
Ein langer Tag geht auch in Costa Rica zu Ende
Vogelbeobachtungstour nach Costa Rica 07.02.09
Es hat sich ja herumgesprochen, dass wir eine Reise nach Costa Rica unternommen haben.
Warum Costa Rica? Wir waren in vielen Ländern Südamerikas, aber in Costa Rica nicht.
Dazu kam, dass wir über die NABU Rainer Stoll kennen gelernt haben, der diese Reisen organisiert und uns schon immer von der Vielfalt der Vögel vorschwärmte. Also entschlossen wir uns zu einer Vogelbeobachtungsreise (Birdingtour) mit individueller Reiseverlängerung.
Travel-to-nature bietet ja außerdem noch Trekkingreisen, Wanderreisen, Individualreisen, Mietwagenreisen u.a. an.
So flogen wir am 7. Februar ab Frankfurt, morgens um 7.45 Uhr nach Madrid. Wir hatten drei Stunden Aufenthalt dort. Der Flughafen von Madrid ist noch größer als der Frankfurter. Wir mussten ja das Gate wechseln..........dann stand da U 11- 24, 26 Minuten Gehzeit, (wir mussten nach U 18). Also immer dem Schild nach, plötzlich standen wir vor einer Bahn, also eingestiegen, ausgestiegen...........noch 16 Minuten Gehzeit z.T. über Laufbänder.........endlos....
Es gab nochmals Kontrollen, in Frankfurt musste ich sogar die Stiefel ausziehen, sie piepten. Die Kontrollen sind ja wohl nötig und sehr aufwendig, Brustbeutel, Bauchbeutel, alles muss man auf das Band zum Durchleuchten legen.
Der Flug war ruhig und lang 10 ½ Stunden. Pünktlich um 16.45 Uhr landeten wir in San José.
(7 Stunden Zeitverschiebung zu Deutschland). Empfangen wurden wir von Jonathan, Sergio und Alberto, der den Kleinbus lenkte. Wir, eine Gruppe von 14 Leuten, machten uns bekannt. Eine angenehme Wärme umgab uns, um 18 Uhr wurde es dunkel. Ein sehr schönes Hotel ließ uns ausschlafen. Nun begann die geplante Tour, abseits von großem Tourismus. Der erste Einstieg in einen Nationalpark im sekundären Regenwald war etwas feucht und regnerisch, wie der Name schon sagt.
Zu den Urwäldern: Als Primärwald wird von menschlicher Einflussnahme nicht berührter „Wald“ bezeichnet. Er besitzt eine große Biodiversität, wächst seit Tausenden von Jahren. Er hat eine sehr reichhaltige Natur, ist unübertroffen. Man findet hier 200 Baumarten auf einem Hektar Waldboden. Jeder Baum dient als Wirt für andere Pflanzen. So sind die Äste voll besetzt mit Epiphyten in großer Vielfalt. Diese dienen nun als Nahrungsquelle für weitere Lebewesen des Urwaldes : Affen, Vögel u.a. (z.B. beim Regenwald der Österreicher, Esquinas am Golfo Dulce, der 146 Quadratmeter groß und geschützt ist.) Er besitzt ein geschlossenes Kronendach, von den Bäumen, die sehr hoch sind und wenig Licht den Boden erreicht. Die Temperaturen liegen bei 24 – 28 Grad Celsius.
Sekundärwald ist nach Rodungen neu gewachsener Urwald mit wenig Artenvielfalt, lichtem Baumwuchs, starkes Buschwerk mit großen Blättern, schnellem Wachstum. Bis aus einem Sekundärwald ein Primärwald wird, dauert es mindestens 100 Jahre.
Nebelwald gibt es in höher gelegenen Regionen. Hier ist es kühler, Nebel – Wolkenfelder ziehen durch. Hier herrschen Moose und Flechten vor, auch Baumfarne und Schlinggewächse lassen diesen Wald sehr dicht und dunkel werden.
Tropischer Trockenwald ist sehr dezimiert worden durch Abholzung für die Rinderzucht.
Typisch sind die Eichenwälder und anderer Wald mit laubabwerfende Bäume. Das ist das Hauptmerkmal der Tropischen Trockenwälder: Sie sind zeitweise kahl. Vor dem Austrieb der Blätter erscheinen wunderschöne Blüten. Dann ist plötzlich vieles im Wald gelb, vom Goldbaum, oder rot vom Korallenbaum, oder weiß von den Blütenfäden des Guanacaste Baums, der der Nationalbaum Costa Ricas ist. Es soll auch mehr Kakteen geben, wir sahen kaum welche.
In diesen Regionen bewegten wir uns. Es sind durchweg alles Nationalparks und damit auch geschützt. Man hat auch Land gekauft und es sich selbst überlassen. Hier wächst von selber wieder „Urwald“, was natürlich lange dauert, aber die Samen sind noch in der Erde.
Natürlich standen die Vögel im Vordergrund und in jeder Region gab es andere Vögel zu sehen. In unserer ersten Lodge beobachteten wir die Kolibris in den Ingwerblüten, Flycatcher und viele bunte Kleinvögel. Die ersten Geier sahen wir am Himmel, Tukane balzten ganz nahe vor uns. Die Lodges lagen meistens sehr schön mitten in der Natur, oft weit ab von Straßen, in absoluter Natur. Um 6 Uhr morgens wurde es hell und schon waren wir unterwegs zum Vögelgucken, danach gab es Frühstück. Das übliche Frühstück besteht aus Obst, dann Eier (Spiegelei, Omelette) mit Zwiebeln und Tomaten oder Schinken oder Champigions, Kaffee oder Tee. Gut gestärkt ging es zu neuen Entdeckungstouren, oft mit dem Bus in andere Regionen zu anderen Lodges, unterwegs immer irgendwo haltend, weil es Vögel oder andere Tiere zu sehen gab. Manchmal begleiteten uns Brüllaffen oder es turnten Klammeraffen im Geäst. Die Kapuziner-Affen fand ich besonders schön. Schmetterlinge konnten wir im Ecocentro Danaus bewundern. Dieses Ecocentro wird von travel-to-nature unterstützt. Eine weit ab gelegene Lodge erreichten wir nur über sehr holperige und steilen Wege mit dem Jeep, sehr abenteuerlich. Hier gibt es Strom über einen Motor, der nur abends kurz läuft, also alles dunkel von 18 – 6 Uhr morgens. Der Weg durch den Wald war sehr heiß. An einem idyllisch gelegenen Karsee konnten wir Ottern beobachten. Blattschneideameisen kreuzten die Wege, die abgeschnittenen Blätter wie Fähnchen schwingend weite Strecken bis zu ihrem Bau zurücklegend. Es gab immer was zu sehen und immer anders. Auch Nasenbärenfamilien hatten keine Angst vor uns. .Eine Lodge ließ uns auf den Vulkan „Arenal“ schauen, der aber nur am ersten Tag frei zu sehen war, sonst immer mit Wolke. Die Feuerleiter lag leider auch im Nebel. Zu Füßen des Arenal gibt es einen Stausee, den Arenalsee mit 84 000 Quadratkilometer Größe. Hier fuhren wir entlang zu den unterschiedlichsten Stellen. An Feldern mit Reisanbau vorbei, Ananas- Plantagen und Süßkartoffeln. Es gab sehr viel Gemüse und Früchte. Auch Teakholzplantagen, wo die Stämme nach 8 Jahren geerntet und verarbeitet werden können.
Ganz besonders schön fand ich unsere Bootstouren auf dem Tempisque z.B. mit Krokodilen im trüben Wasser, Leguane auf den Bäumen und natürlich Vögel in den Mangroven. Eine sogenannte Vogelinsel wurde angefahren. Man kann es kaum schildern wie es da zu ging. Tausende von Waldstörchen, Reihern und einigen rosa Löfflern, junge und alte Tiere waren in ständiger Bewegung mit Geschrei und es stank nach Vogelkot............
Die ersten grauen Pelikane sahen wir hier. Große schöne Vögel, die geordnet hintereinander fliegen, d.h. mehr segeln, oft noch vor der untergehenden Sonne am Meer.
Eine Bootsfahrt brachte uns an die Grenze zu Nicaragua. Hier gab es überschwemmte Wiesen mit vielen Wasservögeln. Auf einer Landzunge genossen wir ein Picknick. Zur Grenze war nur ein Stacheldrahtzaun gezogen.
Sehr beeindruckend fand ich die Hängebrücken. In einem großen Schutzgebiet ist ein Weg angelegt, der mit Brücken über die Flüsse führt, hoch über den Urwaldbäumen auf die Kronen der Bäume sehen lässt oder in die Ferne dann den Arenalsee .Manchmal ist man auch ganz unten und oben turnen die Affen. Faultiere kletterten an einer Brücke ganz nah über uns in den Bäumen. Eine große schlafende Schlange entdeckte Jonathan in einem Baum. Eine kleine Boa constrictor ließ sich nahe einer Lodge fotografieren, sonst hatten wir keine Begegnung dieser Art. Es war immer wieder sehr abwechslungsreich.
Ebenso die Quartiere. Manche hatten sogar ein Schwimmbecken, manchmal mit warmen Wasser, manchmal kühler, wenn ein Bach dieses Becken speiste. Manchmal war es sehr heiß, aber es gab auch kühle Nächte und feuchte Nächte. Wasser konnte man fast überall trinken, auch Salat essen.
Die Gruppe fand sich gut zusammen, wobei 14 Leute fast zuviel sind. Unsere „Führer“ gaben sich viel Mühe. Alle waren Costaricaner, Jonathan voll deutschsprachig, Sergio gut englisch sprechend und unser Busfahrer sprach tadelloses castellano. Wir, Dieter und ich, konnten also wählen. Wir freuten uns, dass wir unser castellano auffrischen konnten und nutzten die Gelegenheit dazu.
Nach 14 Tagen trennten wir uns von der Gruppe, um noch ein wenig alleine zu sein. Die Quartiere und der Transport waren aber vorher gebucht worden.
So holte uns dann ein Taxi ab, wir konnten jetzt immer spanisch sprechen. Man fuhr uns zum Hafen nach Sierpe am Pazifik. Es war sehr heiß. Ein kleines Motorboot stand dort, wurde mit Getränken beladen und nach zwei Stunden konnten wir einsteigen mit unserem Koffer und Rucksack. In rasanter Fahrt ging es den Fluss abwärts, etwa eine Stunde. Dann hieß es: Nun fahren wir aufs Meer, sehen Sie die Wellen? Sie müssen Schwimmwesten anziehen. Es war aber nicht so schlimm..........etwa noch eine Stunde brausten wir in der Nähe des Ufers entlang. Dann hielten wir an einem kleineren Boot und es hieß; umsteigen........mit dem größeren Boot kann man nicht an Land........Also wurde alles umgeladen, die Schuhe ausgezogen und man fuhr auf den Strand durch eine ziemlich hohe Welle durch. Mario nahm uns in Empfang und bot uns ein schönes Zimmer an in einem zweistöckigen Holzhaus, oben mit großem Balkon mit Blick in Bäume und auf etwas Meer. Diese „Häuser“ stehen einzeln in einem großen Garten, haben nur Fliegengitter und Gardinen, aber eine Tür zum Abschließen. Ein Restaurant war weiter oben, wo wir Vollpension hatten. Immer Reis, dazu manchmal Maniok, manchmal Bananen, immer irgendein Gemüse, oft Fisch, wenig Fleisch. Ein großer Krug Saft war dabei. Nachtisch bestand aus Obst oder Pudding mit Kokos. Hier lebte man wie in einer großen Familie. Kinder der Angestellten oder der Besitzer liefen rum, Hunde gehörten ohne Aufhebens dazu, waren friedlich mit Mensch und Katze. Wir standen immer früh auf, frühstückten und liefen danach meist über die Höhe. Hinter den Häusern ging es steil hinauf . Man hatte einen herrlichen Blick über das Meer. Zitronenbäume wuchsen dort, viele Schmetterlinge flogen und Kleinvögel. Felder mit Pferden, Kühen, ein Fluss, der zu Fuß nicht zu überqueren war, kleine Hütten, alles ganz friedlich beieinander: Kein Radio, nur Natur. Man konnte eine Art Rundweg machen und am Strand zurücklaufen, einsamst. Wenn Boote kamen rannte alles an den Strand. Es gab ja auch Ausflüge zum Angeln........dann wurden Fische mitgebracht. Es kamen neue Touristen . Aber immer nur Einzelreisende, keine Menge. ....
Wir sind auch an einem Tag zu einem Nationalpark „um die Ecke“ gefahren. Man kann dort nicht hinlaufen. Dort gab es eine Führung zu einem Wasserfall. Dieter hat dort im unteren Teil, gebadet. im oberen Becken badete ein Caiman.
Aber es war steil und man musste über Bäche ohne Steg.........über Steine.....war heiß.......aber interessant. Ein junges Ehepaar lief dann zurück zu unserer Lodge, 4 Stunden steil bergab bergauf, sie kamen gerade kurz vor dem Dunkelwerden an. Eine dreiviertel Stunde entfernt konnte man in einer Bucht ohne Wellen sehr schön baden, das taten wir dann auch. In unserer Bucht waren die Wellen so stark, dass ich nicht rein konnte. Eine Nacht war ein unheimliches Getöse durch hohe Wellen. Hier gibt es Ebbe und Flut. Nachmittags saßen wir auf unserem Balkon und schauten in den Wald und siehe, plötzlich kamen von links nach rechts durch die Bäume auf den Ästen über den Weg kletternd 16 Kapuzineraffen, 4 mit Jungen auf dem Rücken. War einfach toll. Abends vor dem Sonnenuntergang saß man am Meer. Kurz nach dem Verschwinden der Sonne flogen große Fledermäuse um uns herum.
Nach dem Abendessen konnte man hier noch ein Bier trinken, saß im Dunkeln auf dem Balkon und ging früh schlafen. Morgens wurde es kühl im Bett, man zog einen Pullover an.
So vergingen drei schöne, etwas ruhigere Tage. Wir wurden wieder in die Boote gelotst, mussten umsteigen und zurück übers Meer in den Fluss zum Hafen in Sierpe.
Unser Taximann stand schon da. Diesmal war es eine weite Fahrt in die Berge, zum Teil auf der Transamericana, die aber recht schmal ist. Nach 4 Stunden bogen wir in eine Sandstraße ab...........steil........noch eine Stunde das Tal hinunter. Urwald und Lodges. An der letzten Lodge (Suria) hielt er an und wir waren da. 2000 m Höhe, sonnig und frisch, es gab sogar eine Heizung und warmes Wasser zum Duschen. Sehr schön gelegen. Hier gab es jede Menge Kolibris. Am nächsten Morgen hieß es wieder früh aufstehen. Wir wollten den Wundervogel Costa Ricas, den Quetzal, sehen. Ein farbenprächtiges Männchen mit langen Schwanzfedern und sein etwas weniger schönes Weibchen leben hier im Urwald. Wir sahen dann auch drei Männer und zwei Weibchen in der Nähe. Nur am Morgen kommen sie zum Fressen an bestimmte Bäume. Wir liefen dort dann noch einige Wege entlang, sehr steil. An einem Tag nahm uns ein Schweizer Paar mit auf die Höhe, das heißt eine Stunde steil bergauf. Dann liefen
wir in 3000 m Höhe auf den Berg Cerro de la Muerte. Hier gibt es noch Gestrüpp und Pflanzen, auch Kolibris. Von der höchsten Stelle kann man den Pazifischen Ozean und das karibische Meer sehen. Wir sahen nur den Pazifik, dann zog Nebel auf. Die hohen Berge mit den Vulkanen liegen sehr oft in den Wolken.
Ein schöner Ausflug und Abschied. Wir wurden nach San Josè gebracht mit einem kurzen Stop in der Stadt, zum Flughafen. Der viele Verkehr........wir waren ganz entwöhnt.......kam mir sehr heftig vor. Der Rückflug war ohne Probleme. Nur das viele Warten beim Einchecken bei den Kontrollen ist lästig, aber wir waren noch voll von den vielen Erlebnissen, die ich gar nicht alle aufschreiben kann.

Ara im Flug
Vorfeld-Betreuung: 2
Weiterempfehlung: Ja
Zufriedenheit: 2
Kommentar: freundliche, kompetente guides
Hallo, lieber Herr Stoll,
heute kurz ein paar Zeilen nach Rückkehr von der birding Reise nach Costa
Rica (7.2.-22.2.). Die Reise war phantastisch (leider zu kurz). Die Gruppe
war heterogen und das Interesse für Vogelbeobachtung unterschiedlich
gewichtet. Trotzdem bestand Harmonie. Die besuchten Orte waren meist von
ornithologischer Seite sehr ergiebig. Dass man im dichten Dschungel
weniger sehen kann ist uns bekannt. Etwas enttäuschend war der Besuch am
Pocosol See (Monteverde). Obwohl als Vogelparadies gelobt, sahen wir hier
so gut wie nichts (wohl Wetter bedingt, da es die Woche vorher Dauerregen
gegeben hatte).
Die Unterkünfte waren sehr schön bis auf Palo Verde, wo wir nicht in der
vorgesehenen Lodge unterkamen. Die hygienischen Verhältnisse waren für die
meisten unserer Gruppe "eher nicht ausreichend". Wir kennen so etwas aus
Thailand.
Die Begleitcrew: Jonathan ist ein begeisterter und begeisternder
Vogelkenner; sehr engagiert. Manchmal zu engagiert, vor allem wenn es ums
Fotografieren geht, wobei er ja selbst fotografiert (um ein Buch daraus zu
machen) und dabei immer den besten Beobachtungsplatz innehat. Er ist ein
netter und fröhlicher Typ der Spaß macht. Sergio, etwas ruhiger, ist ein
guter Botaniker und Beobachter. Alberto, der Fahrer, ist besonnen und
verläßlich. Alles gute Leute!
Die Größe der Gruppe mit 16 Personen, einschließlich der beiden guides,
ist für das Laufen auf schmalen Urwaldpfaden zu groß. Wird "vorne" etwas
gefunden so stehen alle andern hinten an und hören und sehen nichts. Die
Gruppe wurde nicht geteilt (2 guides zur Verfügung) wie wohl vorgesehen.
Facit: Costa Rica ist ein wunderbares Reiseland für ornithologisch- und
Natur- Interessierte, aber das wissen Sie ja selbst!
Mit freundlichen Grüßen
Peter und Barbara Reichart
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